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das Ende

Dann hatte ich zwei glückliche und schöne Jahre mit ihm.
Klar hatte ich andere Probleme, aber mit ihm war alles gut und er hat mir Kraft gegeben. Wenn es mir nicht gut ging bin ich zu ihm und er hat gemerkt, dass etwas nicht gestimmt hat und hat mich auf seine Art unterstützt.

Aber damit war Schluss, anfang Februar 2014 hatte er wieder eine Kolik im Dünndarm.
Da wir ihm nicht anders helfen konnten als durch eine OP haben wir ihn natürlich wieder in die Klinik gebracht.

In der Klinik selbst hat er dann nach einem Tag schon wieder eine Kolik gehabt, der Tierarzt hat gemeint er könnte ihm einen Beipass über den Dünndarm an der Stelle legen, damit er zwei Ausgänge hat und es sich dort nicht verstopft.

Wir haben natürlich jede Möglichkeit auf Heilung wahrgenommen und haben ihn ein weiteres Mal aufmachen lassen.
Dann schien alles wieder gut zu sein.

Er kam nach Hause, durfte zwar ein paar Wochen nicht auf die Weide, aber ansonsten war alles gut.

Dann vor einer Woche am 20. März war ich morgens joggen.
Als ich wiederkam, stand bereits der Tierarzt auf dem Hof. Ich dachte zuerst, es sei etwas mit einem anderen Pferd, auf meinen "Kleinen" kam ich gar nicht.
Aber als es mir klar wurde war ich wie in Trance, die Möglichkeit einer OP gab es nicht, die Bauchdecke war noch nicht ganz verheilt von der letzten OP und konnte nicht noch einmal aufgemacht werden.

Jetzt mussten wir hoffen, dass wir die Dünndarmkolik durch Spritzen und Bewegung loswerden konnten.
Also bin ich stundenlang die Wiese auf und ab mit ihm gelaufen. Aber es hatte nicht den Anschein, dass es helfen würde, zumindest nicht richtig.

Mein Vater hat mich mittags dann aber trotzdem auf meine Abifeier geschickt, unter dem Vorwand es nütze nichts wenn ich nur blöd rumstehe und zuschaue.
Dann bin ich gegangen um mich abzulenken, was aber nicht richtig funktioniert hat. Ich hab ständig mit meinen Gedanken wo anders und hatte mein Handy unter ständiger Beobachtung falls irgendetwas neues passiert.

Um 4 war es dann soweit, meine Mutter hat mir angerufen und gesagt, dass es vorbei mit ihm ist. Sie hat mich abgeholt und wir sind direkt nach Hause.
Aber ich konnte es mir nicht mit anschauen, er hing an einer Infusion, die ihn vielleicht noch irgendwie retten könnte, aber die Hoffnung ging gegen Null.
Also bin ich zu einem sehr guten Freund von mir gefahren, der natürlich Zeit für mich hatte. Er ist mitgekommen und geblieben bis nachts alles vorbei war. Dafür möchte ich ihm danken, denn das ist nicht selbstverständlich.

Es hat noch eine Ewigkeit gedauert, um 22:30 war dann definitv klar, dass man ihm nicht mehr helfen kann, die Infusionen haben nicht angeschlagen, die Spritzen und auch die Bewegung hat nichts geholfen. Der Darm war nach wie vor komplett verschlossen und das einzige was sich vergrößern würde, wären seine Schmerzen. Der Tierarzt hat gesagt er überlebt diese Nacht auf keinen Fall mehr.

Und gerade weil wir ihn so lieben konnten wir ihm diese Schmerzen nicht zumuten, da er sowieso an ihnen gestorben wäre, wollten wir ihn davon erlösen.

Nun stellte sich aber die Frage wo, denn auf unserem Hof wollten wir es nicht machen, wir hätten ihn nicht noch stundenlang einfach tot herumliegen sehen können.

Die "Lösung" war ein Nachbar in 1,5km Entfernung, ein Bauer mit einem großen Hof bei dem immer wieder einmal ein Tier stirbt und er also kein Problem damit hat.

Also bin ich die letzten Meter mit meinem Pferd in den Tod gegangen. Ich habe ihn als er klein war auf die Welt geholt und auf die Weide getragen und nun führe ich ihn in den Tod. Das einzige gute Gewissen das ich hatte war, dass er ein wirklich schönes Leben bei uns hatte.

Auf dem Hof ging dann alles sehr schnell. Er hat seine Betäubungsspritze bekommen und im Anschluss daran direkt seine zwei großen blauen Todesspritzen. Er ist sofort umgefallen und lag dann tot auf dem Boden.
Ich hoffe er hat es nicht mehr gespürt, wie sein Herz die letzten Schläge getan hat und dann endgültig aus war.

Dieser Moment wird mir ewig im Gedächtnis bleiben, diese Spritzen und dann der Sturz gegen die Wand und wie er dann auf dem Boden lag, so ruhig und lieb als würde er schlafen, aber doch die Gewissheit, dass er nie wieder aufsteht.

Er ist tot.



26.3.14 09:32

Letzte Einträge: ich fange einfach mal an..., glückliche Zeiten gehen vorbei, wie geht es weiter?, Zeiten ändern sich aber bleiben glücklich, Zeit

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